9. Freiburger Wundsymposium

12.11.2016 | Bad Krozingen

Online-Evaluation

Kongressbericht 9. Freiburger Wundsymposium

„Diabetischer Fuß, Stoma, Kommunikation“ war das Motto des 9. Freiburger Wundsymposiums, das am 14. November 2016 im gepflegten Ambiente des Kurhauses in Bad Krozingen stattfand. Der interdisziplinäre Kongress hat das Ziel, aktuelles und praxisorientiertes Wissen zu vermitteln. Er stand wie im Vorjahr unter der Schirmherrschaft der DGfW e.V. Mit 550 Teilnehmern aus ganz Deutschland und 22 Referenten erfreute sich die Traditionsveranstaltung einer sehr guten Resonanz. Wie in den Vorjahren wurde sie von der Wundsprechstunde der Allgemein- und Viszeralchirugie der Universitätsklinik Freiburg veranstaltet. Die Durchführung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Wundzentrum des Universitätsklinikums Freiburg und der Akademie für Gesundheitsberufe und Wundmanagement Lahr. Tagungsleiter war Prof. Dr. Stefan Fichtner-Feigl, Ärztlicher Direktor der Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Hauptschwerpunkt war das diabetische Fußsyndrom.

Dr. Bernd Jänigen aus Freiburg beschrieb die Grundlagen der Erkrankung in Stadien, Diagnostik und die therapeutischen Ansätze. Er fasste zusammen: “Um Amputationen beim Diabetischem Fußsyndrom zu vermeiden, müssen die Patienten frühzeitig und interdisziplinär behandelt werden.“

Lokaltherapeutische Ansätze wurden im Vortrag „Wundbehandlung beim Diabetischem Fußsyndrom“ aufgezeigt und mit einem Überblick sowohl über chirurgisches, als auch konservatives Vorgehen mit Wundauflagen verständlich erklärt. Frau Dr. Ruth Sybille Mayer aus Freiburg stellte eindrucksvoll dar, welche chirurgischen Maßnahmen unter Lokalanästhesie im ambulanten Setting möglich sind: „Dieses Vorgehen kann Patienten eine Narkose und eine stationäre Behandlung bei entsprechenden Voraussetzungen ersparen, was gerade bei älteren, hinfälligen oder dementen Patienten ein deutliches Plus an Lebensqualität bedeuten kann.“ Aus dem Bereich Grundlagenforschung referierte Frau Dr. Heike Jäger aus Ulm über Veränderungen beim diabetischen Fuß und deren Folgen aus gewebs- und faszienpathophysiologischer Sicht: „Nicht nur die Polyneuropathie, sondern auch die Verschlechterung der Gewebeeigenschaften können zu Problemen beim Diabetischen Fuß beitragen.“ Ralf Jäckel aus Stuttgart stellte dar, wie mit Einlagen und Schuhen die Fußstellung und -belastung verändert werden kann.

Das „rote“ und das „dicke“ Bein wurden praktisch und anschaulich von Prof. Dr. Hauke Schumann und Dr. Hans Bayer aus Freiburg besprochen. Wichtige Differentialdiagnosen wurden aufgezeigt und die dazugehörigen Pathogenesen wie auch Therapieoptionen erklärt. 

Anhand von eindrucksvollen Patientenbeispielen stellte Dr. Ziad Kalash aus Freiburg die plastisch-chirurgischen Therapieoptionen bei der Behandlung von großflächigen und tiefen Wunden vor. Der Themenkomplex Vakuumtherapie, Instillationsvakuumtherapie und Skinstretch wurde von PD Dr. Wim Fleischmann dem hochaufmerksamen Publikum erklärt.  

Ulrich Blum aus Freiburg sprach über podologische Therapieoptionen bei eingewachsenen Zehennägel. Daniel Wiest aus Freiburg stellte orthopädietechnische Möglichkeiten vor, die eine gute Lebensqualität nach Amputationen an den unteren Extremitäten ermöglichen.

Zuhörermagnet waren auch in diesem Jahr die Vorträge zu allgemein medizinischen Themen. Prof. Dr. Robert Jütte aus Stuttgart referierte sehr spannend zum Thema „Placebo“, stellte aktuelle Studien vor und reflektierte den Stand des momentanen Wissen zum Thema: „Nutzen Sie den Placebo-Effekt und vermeiden Sie den Nocebo-Effekt.“

 Das Thema wertschätzende Kommunikation wurde von Prof. Dr. Christian Rainer Weisbach aus Tübingen besprochen. „Durch mangelnde Compliance werden in Deutschland jährlich Kosten von 10 Milliarden Euro verursacht. Ein entscheidender Faktor für mangelnde Compliance ist eine mangelhafte Kommunikation in der Arzt/Pflege-Patient-Beziehung. Im Bereich der Wundbehandlung sind ca. 50% der Patienten non-compliant. Wertschätzende Kommunikation stellt ein wichtiges Werkzeug zur Verbesserung der Kommunikation dar und kann durch Complianceerhöhung drastisch Kosten einsparen.“

Auch in diesem Jahr wurde thematisch ein Blick über den schulmedizinischen Tellerrand gewagt: Die Begründerin der Reflexzonentherapie am Fuß, Frau Hanne Marquardt aus Burgberg, referierte über diese Therapieform. Vor vollbesetztem Saal fasste sie leidenschaftlich die Eckpunkte ihres Lebenswerkes zusammen. 

Viele weitere Themen mit hohem Praxisbezug wie Wundversorgung bei Adipositas, Hautpflege und Wundrandschutz, Lagerungstechniken bei Dekubitus, Grundversorgung bei Entero- und Urostoma, Sondenkost und Diarrhoe sowie Patientenverfügung rundeten das breite Themenspektrum des 9. Freiburger Wundsymposiums ab.

Wir danken herzlich allen Teilnehmern der Veranstaltung, Sie waren ein tolles Auditorium!

Bei der Jubiläumsveranstaltung 2017 können wir Ihnen wieder ein breitgefächertes und interessantes Programm bieten- Sie dürfen gespannt sein.

Wir würden uns freuen, sie beim 10. Freiburger Wundsymposium begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen aus dem sonnigen Freiburg,

Bernd Jänigen und Christian Moosmann

Impressionen